I'm back

Hallo ihr Lieben,

zunächst einmal ein ganz großes Sorry, dass jetzt so lange keine neuen Einträge von mir kamen. Bei einer Pause von vier Monaten haben sich die ein oder anderen unter euch schon Sorgen gemacht, aber keine Sorge mir geht es gut und es ist nichts passiert. Ich könnte jetzt behaupten, dass ich in Arbeit versunken wäre oder es einfach nichts spannendes zu berichten gab, aber das wäre eine Lüge. Denn ehrlicherweise fehlte mir meistens nur die Motivation etwas zu schreiben, denn Themen hätte ich genug gehabt. 

Da wären Berichte über Weihnachten und Silvester in einer neuen Kultur möglich gewesen, mein Urlaub in Santa Marta (an der kolumbianischen Karibikküste), mein Geburtstag, unser Zwischenseminar von World-Horizon, Kurzausflüge oder einfach nur mein generelles Leben und die Arbeit hier, aber naja manchmal ist es schwer seinen eigenen Schweinehund zu überwinden und anstatt von Netflix die Jimdo-Seite zu öffnen. Umso mehr hoffe ich auch für mich selber, dass in der nächsten Zeit hier wieder mehr los sein wird. 

 

Um die eben genannten Themen nicht komplett unter den Tisch fallen zu lassen, kommt hier mal eben eine Kurzfassung. Weihnachten und Silvester habe ich mit meiner Gastschwester (zu der ich übrigens mittlerweile eine sehr enge Bindung aufgebaut habe und die ich tierisch vermissen werde, wenn ich zurück nach Deutschland komme) bei unserer Familie in Cartago verbracht, wo wir viel geshoppt haben, von Finca zu Finca gefahren sind und einen Verwandten nach dem nächsten besucht haben. Als dann auch noch Luisas (meine Gastschwester)  Cousine Ana Maria über die Feiertage nach Cartago gekommen ist, war unsere Dreiergirl- Gang komplett und wir hatten eine Menge Spaß. Und auch wenn mir der Blick auf den Kalender immer wieder gezeigt hat, dass Weihnachten vor der Tür steht, hat sich bei mir die ganze Zeit kein Weihnachtsgefühl eingestellt, was aber auch nicht verwunderlich war, denn es gab im Haus nichts wirkliches was an Weihnachten erinnert hätte. Kein nach Tannennadeln riechender Weihnachtsbaum oder Plätzchengeruch und noch viel weniger war es kalt. Ich erinnere mich noch genau daran, dass ich von zu Hause schon ganz viele liebe Weihnachtsgrüße bekommen habe und ich selber noch, mich halb totschwitzend, weil an diesem Tag 35 Grad und pralle Sonne waren, durch die Straßen Cartagos gehetzt bin, um noch Sachen für den Abend zu besorgen. Der fiel dann jedoch relativ unspektakulär aus, was auch daran lag, dass meine Tante Gloria, die sonst immer alles organisiert, zu dem Zeitpunkt gerade in Kanada bei ihrer Tochter war. Ebenso verhältnismäßig langweilig war dann auch Silvester bei uns, wobei Luisa und ich definitiv den meisten Stress an diesem Tag hatten, weil wir das gesamte Essen für die Familie vorbereitet haben. Der größte Schock kam dann jedoch eigentlich erst am Abend für mich, als mir erklärt wurde, dass in meiner Familie nicht angestoßen wird zum neuen Jahr, sondern es nur eine Umarmung für jeden gibt. Ein paar von euch werden auf ihren Handys bestimmt noch meine verzweifelten Nachrichten finden über diese Tatsache, denn das hat mich zugebener Weise doch ziemlich aus den Latschen gehauen. Also alles in allem kann ich getrost behaupten, dass ich Weihnachten und Silvester in Deutschland schöner finde und meiner Meinung wird es zu Hause auch mehr zelebriert als das hier der Fall ist, jedoch ist das auch wieder von Familie zu Familie unterschiedlich. 

Kurz nach Neujahr ging es für mich dann nach Santa Marta, endlich ans Meer und dann auch noch die Karibik. Aber wer sich jetzt türkisblaues Wasser und kilometerweite Sandstrände vorstellt- komplett daneben. Da Dezember bis Januar Hauptreisezeitraum hier in Kolumbien ist, war es natürlich entsprechend voll und vor allem die kostenlosen Strände brechend voll und selbst die Strände, die etwas versteckter liegen und nur mit dem Boot zu erreichen sind, total überfüllt. Wer mich kennt weiß, dass ich allergisch auf Menschenmassen an Stränden reagiere, ein Grund wieso ich auch kein Ostsee- Fan im Sommer bin. Die Strände hatten für mich also rein gar nichts vom Karibik-Flair, sondern eher schlechte Laune in mir hervorgerufen. Dafür hat mich der Nationalpark Tayrona sehr begeistert, der zwar auch gut besucht war, aber so groß ist, dass sich die Massen dann verteilen. 

Nach meinem Urlaub ging dann die Arbeit wieder los und vor allem auch die Bewerbungsphase für unsere Incoming- Kandidaten, die mittlerweile feststehen. Ich werde demnächst aber auch einen Arbeitspost veröffentlichen, um euch auch Projekttechnisch wieder auf den neusten Stand zu bringen, denn auch dort hat sich viel getan. 

Anfang Februar war es dann so weit und mein Geburtstag stand an, der erste für mich in einem anderen Land. Da unser Zwischenseminar zeitgleich stattfand und ich deswegen zu meinem eigentlichen Geburtstag nicht in Buga gewesen wäre, habe ich quasi 3 Tage gefeiert. Meine Schüler und Jana haben hinter meinem Rücken eine Überraschungsfeier organisiert mit riesiger Torte, Pizza, Luftballons, Bier und alles was zu einer kolumbianischen Feier so dazu gehört. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie verdutzt ich geguckt habe, als meine Schüler mich 1. mitten im Unterrichten unterbrochen haben, weil sie meinten, dass sie jetzt gerne ein Bier mit mir trinken gehen würden und 2. als ich dann den Ort der Feier betreten haben und dort noch meine anderen Schülern mit Deko gewartet haben. Es war auf jeden Fall eine sehr gelungene Überraschung, über die ich mich sehr gefreut habe und die zeigt, dass meine Schüler nicht nur Schüler, sondern auch Freunde für mich geworden sind. Am nächsten Tag (dann mittlerweile der 7.2.) habe ich den Vormittag noch mit meiner Gastfamilie gefeiert, bevor es dann nach dem Mittagessen für mich nach Cali ging, denn vom 7.2. bis 18.2. stand unser Zwischenseminar mit Asena an. Angekommen in Cali hab ich dann auch das erste Mal seit einem halben Jahr Team Ecuador wiedergesehen, denn das Seminar hatten wir gemeinsam. Da Asena Flugprobleme hatte, hatten wir den Abend und den nächsten Morgen noch frei, und nachdem wir uns bis 12:00 Uhr noch wachgehalten haben, um diesmal wirklich in meinen Geburtstag reinzufeiern, sind wir dann am nächsten Morgen alle zusammen lecker frühstücken gegangen. An dieser Stelle nochmal vielen Dank an Marie und Jana für den Kuchen, Mathilda, Lea (miss u) und Clara für das Geschenk und allen anderen für die vielen lieben Nachrichten und dass ihr an mich gedacht habt. Ich hatte einen sehr schönen Tag und gegen Nachmittag startete dann auch unser Seminar mit voller Power und Elan. 

Das Seminar war super, um das letzte halbe Jahr zu reflektieren, über Probleme innerhalb der Projekte zu sprechen und Lösungsansätze zu finden sowie über Ziele im Projekt und unsere weitere Zukunft zu sprechen. Zudem hatten wir eine sehr anregende Mock-Simulation zur FARC und Guerilleros Problematik, von der wir zwar anfangs nicht so begeistert waren, die doch am Ende sehr erfolgreich wurde sowie eine Diskussion über "Frausein" in Kolumbien und das Ertragen ständiger Kommentare (lest dazu gerne mal den Beitrag von Mathilda) und den Sinn eines Freiwilligendienstes. Unser Seminar, was wir zur Hälfte übrigens in einem schicken AirBnb mit Selbstversorgung in Medellin verbrachten, war für uns alle sehr aufschlussreich und lehrreich, auch wenn uns nach einigen Inhalten regelmäßig die Köpfe rauchten. Jedoch kam der Spaß dennoch nicht zu kurz und wir hatten einige lustige Momente, so haben wir z.B. Free Hugs auf einem belebten Platz verteilt, aber da dies hier noch nicht so bekannt ist, war der Anfang etwas holprig, aber diese Aktion war es auf jeden Fall wert und hat sehr viel Spaß gemacht. Viel mehr werde ich vom Seminar auch gar nicht mehr berichten, denn sonst würde der Eintrag viel zu lang werden, außerdem "was in Medellin passiert, bleibt in Medellin" ;D 

Direkt nach dem Seminar bin ich mit Lea für einen Wochenendtrip ins wunderschöne Salento aufgebrochen, welches in der Zona Cafetera liegt und ebenso ein beliebter Touriort ist. Dort kann man wunderbar Souvenirs und Schmuck kaufen, den man sonst nicht an jeder Straßenecke findet und vom Aussichtspunkt hat man einen beeindruckenden Blick ins Tal, wo man von der Bandbreite der verschiedensten Grüntöne überwältigt wird. Für Kaffeesuchtis ist Salento ebenso ein echtes Paradies, denn der Kaffee dort ist richtig gut und die Gegend für den Kaffeeanbau sehr bekannt. Durch die hohe Anzahl an Touristen, habe ich dort jedoch tatsächlich mehr deutsch oder englisch gehört als spanisch. Und auch die Verkäufer haben uns dort meistens auf gebrochenem Englisch angesprochen, worauf Lea und ich angefangen haben auf Spanisch los zu plappern, was die Leute immer sehr gefreut hat. Generell haben wir uns nicht so mit den Touristen verbunden gefühlt, obwohl wir dort offensichtlich selber welche waren, jedoch fühlen wir uns mittlerweile selber als Kolumbianer, besonders wenn wir ohne große Schwierigkeiten verstehen können, was die Einheimischen uns sagen wollen. Nach einem Treffen mit meiner Cousine, die in Salento lebt, ging es dann für Lea und mich Sonntagnachmittag wieder zurück nach Hause und nach einem kurzen Schockmoment am Busbahnhof, weil es so aussah, als gäbe es keinen Bus mehr, sind wir dann wieder heile in Buga bzw. Cali angekommen. 

Damit waren die Tage von Lea in Kolumbien dann auch schon gezählt, denn sie hat sich dazu entschieden, ihren Freiwilligendienst auf 6 Monate zu verkürzen,  wohingegen Felix bis März 2019 verlängern wird. Ich finde beide Entscheidungen sehr mutig, auch wenn sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Gerade, wie in Leas Fall, sich einzugestehen, dass eben nicht alles so läuft, wie man es sich vorgestellt hat und dass man so nicht weitermachen kann, ist ein schwieriger Schritt und dies dann auch vor sich selber und anderen nicht als Versagen oder frühes Aufgeben anzusehen, ein noch viel schwieriger. Auf unseren Blogs berichten wir alle fast ausschließlich nur über die schönen Dinge, die wir hier weit weg von zu Hause erleben, aber das heißt nicht, dass unser Leben hier nur rosarot ist. Im Gegenteil manchmal kann es auch verdammt einsam und traurig sein, so weit weg von der eigenen Familie und den Freunden, besonders wenn es einem nicht gut geht. Genauso ist es unglaublich schwer zu ertragen, nicht bei den Freunden zu sein, wenn die einen brauchen, auch wenn es nur mal für eine Umarmung wäre. Teilweise stoßen wir hier auch projekttechnisch an unsere Grenzen, wobei wir dann meistens alleine auf uns gestellt sind. Dabei sollte man nicht vergessen, dass niemand von uns eine Ausbildung etc. zum Lehrer gemacht hat o.ä., wir stellen uns vor die Klassen und versuchen das Bestmögliche aus uns herauszuholen. Und ja manchmal gibt es Personen, die eine bestimmte Sache besser können, als andere. Manche kriegen eine Klassen kleiner Kinder besser unter Kontrolle, andere können besser erklären, wieder andere sind ehrgeiziger und nochmals andere lassen sich nicht so schnell unterkriegen. Egal wie, es gibt immer irgendjemanden, der etwas besser kann, als man selber, aber davon sollten wir uns nicht beeinflussen lassen, wir sollten aufhören uns zu vergleichen und lieber stolz auf das sein, was wir bereits geschafft haben, im Projekt und in unserem allgemeinem Leben hier. Aber vor allem sollten wir aufhören, vorschnell über andere zu urteilen, ohne ihre genauen Beweggründe zu kennen- und das war damit das Wort zum Sonntag (ist zwar Montag, aber egal ;D). Egal wie, ich stehe voll und ganz hinter den Entscheidungen der beiden, vor allem dadurch, dass ich weiss, dass sie damit sehr glücklich sind. 

Aber für alle, die es interessiert, an meiner Dauer hat sich nichts geändert. Mein Jahr hier in Kolumbien dauert weiterhin 12 Monate. 

 

Dadurch, dass so lange nichts mehr von mir kam, ist dies jetzt ein sehr langer Artikel gewordenen, also Danke an alle, die bis hierhin gelesen haben. Ich hoffe, dass ich es in den nächsten Tagen schaffe, euch projekttechnisch auf den neusten Stand zu bringen sowie vom Urlaub mit meinen Eltern zu berichten, die mich Mitte März besuchen gekommen sind. 

Bis dahin alles Liebe 

Mara

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Jan Weinert (Donnerstag, 26 April 2018 12:27)

    Hallöle,
    hast du fein geschrieben, nur familientechnisch komme ich gerade ins grübeln. Wenn Maria deine Cousine ist, dann müsste ich - oder Mama - jan Bruder/Schwester haben. Hm, werde da mal bei Oma etwas gründlicher nachhaken. LACH :) :)
    Noch einen kurzen Kommentar zu Lea und Felix. Es ist doch auch das Schöne an dem Projekt, daß (ich schreibe das immer mit ß und nicht mit ss) man entsprechend der aktuellen Lebenssituation entscheiden kann, ob man verlängert, verkürzt oder aber - wie im Regelfall - die geplante Zeit vor Ort im Projekt bleibt. So ist allen geholfen, das Projekt geht weiter - auch wenn die einen oder anderen eventuell nun mehr Arbeit haben, aber das wird sich durch das ganze Leben ziehen :) (will auch mal Klugscheißen) und die Projektbeteiligten sind mit sich wieder im Reinen.

    Papa

    PS: auf die Erlebnisse mit deinen Eltern bin ich schon gespannt, Bei deiner Haßliebe zu deinem Vater wäre ich gerne dabei gewesen :). Ich hab mir den Film vom Canope auch nicht vollständig angesehen, war ganz schön hängend die Aufnahme :)