Urlaub in Kolumbien Teil 2

Vor über einem Monat waren meine Eltern in Kolumbien, um mich zu besuchen und das Land kennenzulernen, worüber ich euch in diesem Artikel gerne etwas mehr berichten möchte. Der vorherige Blogartikel schildert dabei sämtliche Erlebnisse aus der Sicht von meiner Mutter und dieser nun meine Eindrücke. Viel Spaß beim Lesen und Vergleichen.

 

Für meine Eltern stand schon seit Beginn meines Jahres in Kolumbien fest, dass sie mich besuchen kommen wollen und dieser Plan wurde dann auch in die Tat umgesetzt. Zunächst mussten wir einen geeigneten Zeitraum finden, in denen die Hotel- und Flugpreise nicht übermäßig teuer sind und sowohl meine Eltern als auch ich, nicht viele Urlaubstage benutzen müssen. So haben wir uns schlussendlich die Wochen um Ostern ausgeguckt und ich habe meine Eltern sieben Monate nach meiner Abreise wiedergesehen. 

Mama hatte vorher mit einer Agentur fast die gesamte Reise durchorganisieren lassen, was ich niemals gemacht hätte, aber wie meinten sie so schön: "wir sind mittlerweile alt und haben keine Lust mehr drauf die gesamte Reise erst spontan im Land zu organisieren". Wir hatten uns entschieden, gemeinsam ins Amazonasgebiet zu reisen und danach noch eine Woche im Valle de Cauca zu verbringen, wo ich wohne. Die dritte Woche der Reise haben meine Eltern dann alleine an der Karibikküste Kolumbiens verbracht, da ich wieder arbeiten musste und auch der Überzeugung war, dass zwei Wochen ausreichen für mich. Dieser Überzeugung bin ich auch übrigens immer noch ;D

So bin ich also an einem sonnigen Tag im März mit dem Bus zum Flughafen nach Cali gefahren, wo ich mich von Kaffee zu Kaffee gehangelt habe, um die Zeit rumzukriegen, denn der Flughafen hat nicht wirklich was zu bieten. Ich vergleiche ihn öfter mal mit Berlin-Tegel, also könnt ihr euch ungefähr vorstellen, wie spannend es dort ist. Durch ein Schnäppchen bin ich sogar mal Businessclass geflogen, es war zwar nur ein 50 minütiger Flug, aber ich hab mir trotzdem nen Loch in Bauch gefreut. Am Nachmittag bin ich dann in Bogotá gelandet und mit dem Taxi zum Hotel gefahren, wo ich dann meine Eltern wieder gesehen habe und wir sind dann gemeinsam noch mal ins Zentrum gelaufen und etwas Essen gegangen. Natürlich durfte der Jugo de Lulo nicht fehlen, denn ich hatte vorher schon die ganze Zeit davon geschwärmt, wie lecker dieser Saft ist.

Zurück im Hotel habe ich dann meine bestellten Sachen entgegen genommen und wie eine Abhängige am Brot und Käse geschnüffelt. Da ich an dem Abend leider etwas angeschlagen war, konnte ich noch nicht gleich alles aufessen, was ganz vorteilhaft war. 

Am nächsten Morgen ging es dann weiter mit dem Flugzeug nach Leticia, welches direkt am Amazonas und der Grenze zu Peru und Brasilien liegt. Leticia hat nur einen ganz kleinen niedlichen Flughafen und ist auch noch nicht stark von Touristen überlaufen, aber wir sind uns sicher, dass sich das in den nächsten Jahren ändern wird. 

Die nächsten fünf Tage hatten wir nun also ein Programm in Leticia und meine Eltern waren heilfroh, dass es wenigstens eine Person gab, die Spanisch sprechen konnte. Man muss dazu sagen, meine Mama hat im Voraus extra noch einen Volksschulkurs gemacht, um ein bisschen was zu verstehen, aber mein Vater konnte sich selbst die einfachsten Ausdrücke nicht merken, also waren meine Dolmetscherfähigkeiten gefragt. Am ersten Tag ging es für uns mit dem Boot ins Amazonasgebiet von Peru, wo uns ein peruanischer Guide durch den Dschungel führte und ganz viel erklärte, was ich mittlerweile schon wieder vergessen habe. Ich habe so gut wie es ging versucht alles zu übersetzen, aber alles verstanden habe ich natürlich auch nicht, denn vor allem andere Wörter und Dialekte haben das ganze etwas erschwert, aber so halbwegs konnte ich doch immer den Zusammenhang übersetzen. Vor allem mein Papa, der Hobbybiologe und Holzsammler (ein noch unnötigeres und platzverschwenderischeres Hobby gibts aber auch fast nicht oder), war im Paradies und konnte sich Baum-Pflanzen- und Farnarten angucken, wohin das Auge nur reicht. Ich habe mich an den Affen und später den Aras und einem Kaiman erfreut, die konnte ich wenigstens alles auseinander halten ;D

Die nächsten Tage haben wir dann noch rosafarbene Flussdelfine gesehen, andere Nationalparks besucht und viel über umweltbewussten Umgang mit der Natur und den Ressourcen im Bereich des Amazonas gelernt. Definitiv eine Erfahrung wert. Nicht zu Vergessen ist natürlich auch unser "Sporttag". In einem Gebiet wurde wie ein kleiner Kletterpark errichtet, deren Plattformen auf einer Höhe von 30 Metern lagen. Da sollte man sich dann mit eigener Muskelkraft hochziehen, die ersten 15 Meter gingen ja auch noch easypeasy, die nächsten 10m so halbwegs, aber für die letzten fünf hab ich dann fast so lange gebraucht wie für die ersten 15 am Anfang (da meine Mathekenntnissen hierbei in Frage gestellt wurden, musste ich meinen Satz hier mal ein bisschen umändern).  Aber nichtsdestotrotz bin ich dann auch oben angekommen und es hat echt Spaß gemacht. Danach wurden wir dann belohnt mit Zipline- "Flügen" über die Baumwipfel des Amazonas. 

Nach dem Amazonas ging es dann via Bogotá nach Cali und von dort nach Buga. Meine Eltern haben in einem Hotel übernachtet und ich bin zu mir nach Hause gefahren, wo ich schon freudigst erwartet wurde. Am nächsten Morgen hab ich meine Eltern dann zu einer kleinen Stadtführung abzuholen, um die Sehenswürdigkeiten zu präsentieren, die eigentlich nicht vorhanden sind. Zum Mittagessen sind wir dann zu mir nach Hause gegangen, wo sich meine Gastfamilie und meine Eltern das erste Mal getroffen haben. Meine Gastmama hatte kleine Geschenke vorbereitet und meine Eltern haben die mitgebrachten Geschenke für meine Gastfamilie präsentiert. Zum Mittag gab es frijoles (dicke Bohnen), denn ich hatte meine Gastmama gebeten diese zu kochen, da die unglaublich lecker sind. Generell fanden meine Eltern das Essen jedoch sehr reichhaltig und teilweise sehr fettig, da hier wirklich alles immer frittiert wird. Am Nachmittag sind wir dann noch zu meinem Colegio gegangen, wo ich Englisch unterrichte und meine Eltern konnten einen Eindruck gewinnen, wie deren Englischniveau ist. Nach einem gemeinsamen Abendessen mit meiner Gastfamilie, bei dem ich erneut viel übersetzen musste, haben meine Eltern dann ein paar unserer Deutschschüler kennengelernt, was für beide Parteien ein schönes Erlebnis war. 

Am nächsten Morgen sind wir dann gemeinsam nach Salento aufgebrochen, wo ich einen Monat vorher mit Lea bereits war. Aber Salento ist immer einen Besuch wert. Höhepunkt war dabei der Besuch des Valle de Cocora mit den größten Wachspalmen der Welt und einer nicht zu unterschätzenden Wanderung. Aber der Blick hat sich definitiv gelohnt. Am Tag danach sind wir mit Bussen und Umsteigen mitten im Nirgendwo in den Nachbarort Filandia gefahren, wo wir uns mit meinem Gastonkel Gabriel verabredet hatten (dabei gab es vorher auch ein paar organisatorische Schwierigkeiten-typisch kolumbianisch eben). Mit ihm gemeinsam sind wir dann auf seine Finca gefahren und meine Eltern haben eine ganz private Kaffee- Kochbahnen- und Ananastour bekommen. Am nächsten Tag sind wir dann alle weiter nach Cartago gefahren, denn auch er Rest meiner Gastfamilie wollte meine Eltern sehr gerne kennenlernen. Gloria (eine meiner Gasttanten) war zu diesem Zeitpunkt leider noch in Kanada bei ihrer Tochter, hat uns jedoch angeboten, bei ihr im Haus zu übernachten, wo sich ihre empleada rührend um uns gekümmert hat. Nachdem ich so gut wie jedem Familienmitglied meine Eltern vorgestellt hatte, sind wir am Abend dann zurück nach Buga gefahren, um einen letzten Abend gemeinsam zu verbringen. Dabei hat es dann ordentlich zwischen meinem Vater und mir gekracht, aber das war eigentlich abzusehen, denn einer Meinung sind wir zwei eher selten, jedoch beide sehr sturköpfig. Das Ärger dabei vorprogrammiert ist, war vorherzusehen. 

Der nächste Tag war dann der letzte bevor meine Eltern weiter nach Santa Marta reisten. Ich habe sie noch nach Cali ins Hotel gebracht, wir waren etwas essen und dann war der Abschied wieder da. Auch wenn ich meiner Mama gedroht habe, dass sie nicht anfangen darf zu weinen, hat das nicht viel genützt und ihr sind trotzdem die Tränen gekullert. Ich bin dabei leider ein Mensch, der seine Mama nicht weinen sehen kann, also musste ich dann auch anfangen zu weinen, obwohl ich genau das verhindern wollte. Aber nun ja, ein Weltuntergang war es dann ja nun auch nicht. Ich bin am selben Abend dann wieder zurück nach Buga gefahren und damit war mein Urlaub vorbei und der Alltag fing wieder an.

 

Danke Mama und Papa, dass ihr hier wart und mich besucht habt, auch wenn das sicherlich nun wirklich der letzte gemeinsame Urlaub war (ich bin echt zu alt dafür und zu eigensinnig) und das ständige Dolmetschen manchmal stark an meinen Nerven gezogen hat. Es war eine schöne Zeit !

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